Parkhäuser als digitale Infrastruktur: DSGVO, Kennzeichen und AI Act

Kennzeichen, Transparenz, Betroffenenrechte: Was ein Parkhaus rechtlich plötzlich können muss

Wenn die Schranke mehr weiß als der Pförtner

Parkhäuser, Kennzeichen, KI: Warum Datenschutz schon an der Schranke beginnt

Parkhäuser sind längst keine Betonhöhlen mehr, in denen man sein Auto kurz abstellen darf, um danach den Einkaufszettel zu verlieren. Parkhäuser sind heute digitale Infrastrukturen. Und wie bei allen digitalen Infrastrukturen gilt: Datenschutz beginnt nicht erst im Browser, sondern oft schon am Einfahrtsbalken.

Wir haben für ALPINA Parking ein neues Datenschutzkonzept aufgesetzt – nicht aus Lust am Paragrafen, sondern weil der Anlass sehr handfest ist: Parkraummanagement läuft inzwischen weitgehend digital. Kennzeichen werden beim Einfahren erfasst, Zahlungen laufen online oder automatisiert, und Prozesse werden zunehmend durch KI gestützt oder gesteuert. Das klingt effizient – und ist es auch. Es klingt aber leider auch nach „personenbezogene Daten“, und damit ist man im europäischen Rechtsraum ziemlich schnell in einer Beziehung mit der DSGVO, die man sich nicht ausgesucht hat, die aber trotzdem verbindlich ist.


Im Folgenden schauen wir uns an:

  • warum Kennzeichen im Parkkontext personenbezogen sein können,
  • welche DSGVO-Pflichten daraus typischerweise folgen,
  • wann KI zusätzlich den EU AI Act berühren kann,
  • und was in der Praxis wirklich hilft – am Beispiel ALPINA Parking.

Alpiona Parkgarage

Bildquelle: Astoria Garagen / Alpina Parking | Beschreibung: Foto einer Parkgarage.



Was viele unterschätzen: Ein Kennzeichen ist selten nur ein Kennzeichen

Das Nummernschild wirkt harmlos. Es besteht aus Buchstaben, Zahlen und einer gewissen deutschen Entschlossenheit. In der Praxis kann ein Kennzeichen jedoch personenbezogen sein – jedenfalls dann, wenn es für den Betreiber (direkt oder indirekt) einer Person zugeordnet werden kann. Und genau das ist im Parkkontext regelmäßig möglich: über Zahlungsdaten, Tickets, Nutzerkonten, Buchungsvorgänge, Vertragsparkende, Supportfälle oder schlicht das Zusammenspiel mit Dienstleistern.

Damit greifen die Klassiker:

  • Rechtsgrundlage für die Verarbeitung (DSGVO)
  • Transparenzpflichten (wer verarbeitet was, warum, wie lange, mit wem)
  • Organisatorische Anforderungen (Prozesse, Rollen, Zuständigkeiten)
  • Betroffenenrechte (Auskunft, Löschung, Widerspruch – die ganze Palette)

Und wer glaubt, das ließe sich durch ein besonders selbstbewusstes Schild „Videoüberwachung!“ erledigen, wird spätestens bei der ersten Auskunftsanfrage vom Gegenteil überzeugt.



Workshop: Umsetzung von Datenschutz und Prozessen in digitalen Infrastrukturen

Bildquelle: K11 Consulting GmbH | Beschreibung: Praxisarbeit statt Papierromantik: Datenschutz wird umsetzbar, wenn Prozesse, Rollen und Vorlagen im Alltag funktionieren – auch dann, wenn die Anfrage am Freitag um 17:48 Uhr kommt.



Wenn KI ins Spiel kommt, wird’s zusätzlich interessant

Wo KI Prozesse steuert oder Entscheidungen vorbereitet – etwa bei automatisierter Erkennung, Priorisierung, Anomalie-Detektion oder Optimierung – kann neben der DSGVO auch der EU AI Act relevant werden. Nicht, weil „KI“ ein magisches Wort ist, sondern weil Europa sich vorgenommen hat, KI kontrollierbar und regelbar zu machen.

Wichtig (und oft übersehen): Der AI Act ist kein Sticker, den man auf die Schranke klebt. Ob und wie er greift, hängt davon ab:

  • welche Art von KI-System eingesetzt wird,
  • für welchen Zweck,
  • mit welchem Einfluss auf Menschen, Prozesse oder Entscheidungen,
  • und in welcher Risikoklasse man landet.

Kurz: KI macht ein Parkhaus nicht automatisch „Hochrisiko“. Aber sie macht es automatisch prüfungswürdig.



Was wir konkret umgesetzt haben (ohne Zauberei, aber mit Struktur)

Bei ALPINA ging es – ganz bodenständig – um die Dinge, die in der Realität tatsächlich helfen:

Datenschutzhinweise direkt in den Garagen

Dort, wo Daten entstehen, sollte auch Transparenz beginnen. Nicht erst in der tiefen Unterseite „Datenschutz“, die niemand findet.

Saubere Datenschutzerklärung für die Website

Verständlich, vollständig, nicht als Textwüste aus Copy-Paste-Grabsteinen.

Klare interne Verfahren für Betroffenenanfragen

Wer macht was, wie schnell, mit welchen Vorlagen, und was passiert, wenn die Anfrage am Freitag um 17:48 Uhr kommt.

Datenschutzhandbuch für Mitarbeitende

Damit Datenschutz nicht wie ein Orakel wirkt, sondern wie ein Arbeitsmittel.

Belastbare Abläufe für Datenschutzvorfälle

Nicht im Sinne von Panik, sondern im Sinne von: Wer ruft wen an, was dokumentieren wir, was melden wir ggf. und wann?

Parallel haben wir:

  • externe Dienstleister eingebunden (und damit auch Verantwortlichkeiten sauber sortiert),
  • Online-Zahlungsoptionen geprüft,
  • und den Webshop datenschutzrechtlich bewertet.

Das klingt nach viel – ist aber in digitalen Infrastrukturen schlicht das notwendige Fundament, damit Prozesse stabil laufen.



Fachgespräch: Datenschutz, Verantwortlichkeiten und digitale Prozesse im Unternehmen

Bildquelle: K11 Consulting GmbH | Beschreibung: Wenn Verantwortlichkeiten sauber sortiert sind, wird Datenschutz von der Pflicht zur Betriebsqualität – und Prozesse bleiben stabil, auch wenn sich Dienstleister oder Systeme ändern.



Warum das in der Praxis gut funktioniert hat

Was die Zusammenarbeit angenehm gemacht hat: ALPINA verarbeitet große Mengen personenbezogener Daten und nimmt Datenschutz entsprechend ernst. Das ist kein Moralurteil, sondern eine Effizienzbeobachtung. Wer Datenschutz als Teil der eigenen Realität akzeptiert, spart sich das Theater später.

Und dann ist da noch die Dynamik des Geschäfts: Neue Garagen eröffnen, neue Dienstleister kommen hinzu, Prozesse verändern sich. In so einem Umfeld ist Datenschutz kein einmaliges Projekt, sondern ein fortlaufender Prozess – mit regelmäßigen Anpassungen, klaren Zuständigkeiten und der Bereitschaft, Dokumentation nicht als Museumsstück zu behandeln.



Fazit: Datenschutz wirkt am besten, wenn er Teil des Geschäftsmodells ist

Mein Projekt-Learning lässt sich einfach sagen, ohne dass es banal wird: Datenschutz wirkt am besten dann, wenn er Teil des Geschäftsmodells ist – und nicht dessen Bremse.

Gerade dort, wo Digitalisierung sehr konkret ist – Einfahrt, Kennzeichen, Zahlung, Ausfahrt – entscheidet sich, ob Datenschutz als lästige Pflicht oder als betriebliche Qualität verstanden wird. Und ob KI die Abläufe wirklich verbessert oder nur neue Fragen produziert, auf die niemand vorbereitet war.

Parkhäuser sind digitale Infrastrukturen.
Und genau dort beginnt Datenschutz. An der Schranke. Nicht im Nachhinein.


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